Betreutes Wohnen in Verbindung mit intensiver sozialpädagogischer Einzelbetreuung für Mädchen und junge Frauen

Präambel

– Initiierung eines Lernprozesses –

Das Angebot der Betreuung soll auf der Basis verschiedener Lernstufen und Lernmodulen dazu beitragen geeignete Hilfe und Unterstützung für Mädchen und junge Frauen in schwierigen Lebenslagen zu leisten. Dieses spezifische Angebot knüpft an die besonderen Bedürfnisse, Ressourcen, Stärken und Kompetenzen der Mädchen und jungen Frauen an und zeichnet sich durch Parteilichkeit und Ganzheitlichkeit aus. Mäander e.V. berücksichtigt damit die besondere gesellschaftliche Situation von Mädchen und jungen Frauen. Ziel und Aufgabe dieses Leistungsangebotes ist die Entwicklung und Förderung von Lebens-, Handlungs- und Alltagskompetenzen. Emanzipation und gesellschaftliche Teilhabe soll damit auf den Weg gebracht werden.
In Zusammenarbeit mit den jungen Frauen soll eine Grundlage erarbeitet werden, die ihnen persönliche Entwicklungsmöglichkeiten sowie Schutz bietet. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie nicht mehr im Kontext der Herkunftsfamilie oder sonstigen Bezugsformen leben können.

Damit dient diese Hilfeform der Identitätsentwicklung und Persönlichkeitsförderung mit dem Ziel einer selbstständigen Lebensführung.
Die Gestaltung der Hilfe in Form von Tagesstrukturierung, intensiver Einzelbetreuung oder Coaching sowie Soziale Gruppenangebote, Workshops oder Lernmodulen sichert diesen ganzheitlichen emanzipatorischen Lernprozess.
Auf diese Weise wird die Selbstständigkeit der jungen Frau in ihren Alltagsaufgaben, ihre Persönlichkeitsentwicklung und die Umsetzung ihrer Lebensplanungen gefördert.

Die zunehmende, erforderliche Selbstorganisation der Mädchen und jungen Frauen bezüglich ihrer Lebensgestaltung und Eigenverantwortung wird durch ein entwicklungsorientiertes Betreuungskonzept berücksichtigt.

Wir bieten ein Dreistufenmodell, das nicht zwingend linear aufeinander aufbaut. Je nach Betreuungsbedarf kann die junge Frau in einer der drei Lernstufen aufgenommen werden. Lernstufe 2 unterscheidet sich von Lernstufe 3 durch eine stärkere Schutzfunktion durch die Institution.

  • Lernstufe 1 – Alltagsstrukturierung und Stabilisierung
    Betreutes Wohnen in Wohngemeinschaften mit kontinuierlicher Präsenz der Beziehungspädagoginnen auf der Basis von Teamarbeit. Das Leben in der Wohngemeinschaft dient als pädagogisches Lernfeld. Intensives Lernen zu mehr Selbstorganisation und Selbstfürsorge, Perspektiven- und Zielentwicklung für die Zukunft sowie schulische und berufliche Orientierung.
  • Lernstufe 2 - Verstärktes Selbstmanagement der Lebensbezüge auf Grundlage der erreichten Ziele der Lernstufe 1.
    Betreutes Wohnen in Form von Intensiver Einzelbetreuung in vereinseigenen Wohnungen. Umsetzung der weiteren Ziele gemäß der Hilfeplanung. Soziale Gruppenangebote nach Bedarf.
  • Lernstufe 3 – Einzelcoaching/ Verselbsständigung
    Betreutes Wohnen in Form von Einzelcoaching in eigenem Wohnraum nach vereinbarten Fachleistungsstunden. Umsetzung der weiteren Ziele gemäß der Hilfeplanung. Soziale Gruppenangebote nach Bedarf.

Im Hilfeplan (SGB VIII § 36) sind die Betreuungsziele und der -bedarf festzuhalten.

Die Umsetzung des Schutzauftrages gemäß § 8a SGB VIII gemäß der Vereinbarung mit den Jugendämtern ist eine standardisierte Aufgabe aller Fachkräfte unserer Institution.

Rechtsgrundlage

SGB VIII §§ 27, 34, 35, 41 auch in Verbindung mit § 35a

Zielgruppe

Mädchen und junge Frauen ab 15 Jahren Als Zielgruppe gelten ebenfalls junge Frauen, deren Teilhabe am Leben in der Gesellschaft auf Grund einer seelischen Beeinträchtigung eingeschränkt ist (§ 35a)

Welche Problemlagen sollen im Zentrum dieser Hilfe stehen?

Unser Angebot richtet sich an Mädchen und junge Frauen, die im Verlauf ihrer Biographie mit Erfahrungen konfrontiert wurden, die besonders in der Lebensphase der Adoleszenz als schädigende Einflüsse für die gesunde Entwicklung zu einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit und Lebensgestaltung sichtbar und bedeutsam werden. Diese Phase zeichnet sich durch vielfache biologische, soziale und gesellschaftliche Anforderungen aus.
Häufig fällt für diese Mädchen die Familie als unterstützendes System aus.

Gravierende Erfahrungen können sein:

  • Vernachlässigung und Mangel an verlässlichen Bezugspersonen
  • Sexuelle, physische oder psychische Gewalt
  • Migrationshintergrund, der eine authentische Persönlichkeitsentwicklung durch unterschiedliche kulturelle Lebensmuster erschweren kann

Ausdrucksformen der Belastungen können sein:

  • Störungen im Bereich Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, die zu Schul- und Leistungsverweigerung führen können
  • Impulsives, unkontrolliertes Verhalten, überflutende Emotionen und undifferenzierte Angst- und Spannungszustände sowie extreme, sich wechselseitig ausschließende Denk- und Erlebensmuster
  • Negative Selbstbilder, Selbst- oder fremdverletzendes Verhalten, Suchtverhalten
  • Trebegang
  • Instabile persönliche Beziehungen
  • Mangelnde Belastbarkeit und Morbidität

Mit dieser Hilfe soll eine weitere Verstärkung oder eine Chronifizierung von psychiatrischen Krankheitsbildern vermindert werden und als Prävention von Psychatrieaufenthalten oder Kriseninterventionen dienen. Ebenso können Mädchen und junge Frauen mit Psychiatrieerfahrung im geeigneten individuell abgestimmten Betreuungssetting ihre Stabilisierung und Reintegration anstreben.

Das Angebot ist eine geeignete Hilfe für junge Frauen, die wegen ihres besonderen Förderbedarfs professionelle Begleitung zur Verselbstständigung benötigen, diese in Anspruch nehmen und eine intensive Arbeitsbeziehung mit einer Sozialpädagogin eingehen wollen.

Räumliche Ausstattung

Die Bewohnerinnen der Zweier- bzw. Dreier-WG verfügen jeweils über eigene, möblierte Zimmer. Die voll ausgestattete Küche sowie das Badezimmer werden gemeinsam genutzt. Waschmaschine und Trockenmöglichkeit stehen zur Verfügung.

Aufnahmekapazität

Bis zu fünf Mädchen und junge Frauen können in der Lernstufe 1 in die Einstiegsphase aufgenommen werden. Für die Betreuung in Lernstufe 2 bis 3 stehen noch neun vereinseigene Wohnmöglichkeiten zur Verfügung.

Ziele und Gestaltung der Hilfe

Die kontinuierliche, langfristige Begleitung der jungen Frauen generiert ein Lernklima, in dem es möglich wird, Selbsthilfe- sowie selbstorganisierte und selbstregulierte Veränderungsprozesse zu verankern.
Als wesentliches Mittel zur Initiierung von Entwicklungs- und Veränderungsprozessen sehen wir die Pädagogische Beziehung an. Diese muss leisten, dass die junge Frau eine kontinuierliche und verlässliche Zuwendung erfährt und sich angenommen fühlt. Die Einbeziehung des sozialen Kontextes in den pädagogischen Dialog ist eine Bedingung, ohne die es nicht geht. Die Pädagogische Beziehung ist keine Eltern/Kind-, keine Lehrerin/Schülerin-, keine Freundschafts-, keine therapeutische Beziehung und enthält trotzdem Teile von ihnen.

Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung durch eine Beziehungspädagogin oder einen Coach ist eine ganzheitliche Form der Hilfe, die absieht von einer defizitären Betrachtung der jungen Frau. Der pädagogische Auftrag bezieht alle relevanten Lebensbereiche ein, um ein förderliches Lernklima für die junge Frau zu schaffen. Ein Ziel ist die Einbindung in die für sie bedeutsamen sozialen Systeme.

Die gemeinsame Erarbeitung einer individuellen Kooperationsvereinbarung als ein Prozessbestandteil beschreibt besondere Ziele, Zukunftsplanungen, berufliche Orientierung, Lernbedarf sowie die Umsetzung und bereits geleisteten Fortschritte. Im Rahmen dieser fokussierten Vereinbarung können gelungene Kooperationen, neu erworbene Fähigkeiten und Problemlösungsstrategien festgehalten und weitere Lernbedarfe definiert werden. Diese Kooperation zielt dabei auf eine zunehmende aktive Beteiligung der jungen Frau im Bezug auf die Gestaltung ihres Lernprozesses ab.

Durch die Herstellung eines Arbeitsbündnisses mittels jener Kooperationsvereinbarung steuert und moderiert die Beziehungspädagogin die verhandelten und sich immer wieder neu konstituierenden Lernprozesse. Die dabei erworbenen Handlungskompetenzen fördern die eigenverantwortliche Umsetzung der Lebensentwürfe.

Welche Problemlösungsstrategien sollen erworben werden?

Förderung von Individuation

  • Durch gemeinsame Aktivitäten wird das Selbstwertgefühl und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärken gefördert. Dabei werden Selbsthilfekräfte mobilisiert und die Persönlichkeitsentwicklung begünstigt (z.B. durch Kontexterweiterung im Bezug auf Kultur und Freizeitgestaltung)
  • Durch die Reflexion der Bindungen zu den Mitgliedern der Herkunftsfamilie und dem Erreichen ihrer realistischen Einschätzung, soll die Ausbildung einer bezogenen Individuation bewirkt werden (vgl. Stierlin,1980)
  • Die Förderung und Entwicklung einer persönlichen Haltung zur eigenen kulturellen Herkunft, des ausländerrechtlichen Status oder der sozialen Position innerhalb der Gesellschaft vermindert möglicherweise daraus resultierende Problemlagen
  • Durch die Beratung der Klientin im Bezug auf die Einbeziehung von geeigneten weiteren Hilfemöglichkeiten (z.B. bei Traumaerfahrungen) soll zunehmend selbstverantwortlich die Fürsorge für das psychische Wohlergehen übernommen werden
  • Die Entfaltung von Handlungs- und Alltagskompetenz in relevanten Lebensbereichen soll mit Hilfe von sachlicher Beratung und notwendiger persönlicher Begleitung initiiert werden, wie z.B. finanziellen Absicherung, Schuldenregulierung, planerischer Umgang mit Geld

Förderung im lebensweltlichen Kontext
durch Hilfe zur Selbstorganisation der Lebensbezüge und Einbeziehung der Ressourcen des näheren und weiteren sozialen Umfeldes:

  • Regelmäßige Präsenzen in der Wohngemeinschaft (Lernstufe 1) als Hilfe zur Alltagsstrukturierung und zur Förderung der schrittweisen Übernahme von Selbstverantwortung
  • Erhaltung bzw. Erweiterung eines Netzwerks zur Gesundheits-förderung, bei Bedarf in enger Kooperation mit medizinischen und therapeutischen Fachkräften sowie Beratungsstellen
  • Regelmäßige Familiengespräche von einer Familientherapeutin moderiert reduzieren mögliche Loyalitätskonflikte der jungen Frau zwischen Eltern und der Beziehungspädagogin durch die Einbindung der Eltern/Sorgeberechtigten in den Betreuungsprozess und eine gemeinsam definierte Aufgabenverteilung
  • Elternarbeit und Familiengespräche mit einer Familientherapeutin sollen die vorhandenen Ressourcen der Herkunftsfamilie mobilisieren und die notwendigen Veränderungen familiärer Kommunikations- und Beziehungsmuster bewirken, sowie den konstruktiven Ablösungs- und Verselbstständigungsprozess fördern
  • Coachingprozesse, die durch differenzierte Reflexion der eigenen Bedürfnisse beim Aufbau von selbstbestimmten Partnerbeziehungen und Freundeskreis unterstützen

Förderung in Bildungssystemen und Arbeitsmarkt sowie von Arbeits- und Berufsperspektiven

  • Beratung auch durch Einbeziehung der Fachbehörden soll zur Entwicklung eines Berufswunsches bis hin zu einem Berufsabschluss beitragen
  • Nachhilfe und Lerntraining sollen zum Abbau von Lern- und Leistungsstörungen beitragen, ebenso der gemeinsame Austausch mit Lehrern, Schulen und Ausbildungsstellen
  • Die Erarbeitung einer adäquaten Alltagsstruktur im Kontext der Wohngemeinschaft soll dazu führen, dass die Jugendliche den schulischen und beruflichen Anforderungen gerecht wird
  • Im Coachingprozess soll die Anregung der Selbstreflexion über Schul-, Lern- und Arbeitserfahrungen zu konstruktivem Handeln führen

Welche Methoden und Techniken sollen zur Anwendung kommen und zur Lösung beitragen?

Mäander hat seiner Arbeit das systemische Denken und Handeln zugrunde gelegt.
In der Beratungs- und Betreuungsarbeit wird dies durch methodische Vielfalt deutlich. Systemische Methoden tragen dazu bei einen Kontext von Veränderung der familiären Kommunikations- und Handlungsmuster, im Sinne der Herstellung eines förderlichen Familienklimas zu schaffen. Wesentliche Elemente sind Prozess-, Ressourcen- und Lösungsorientierung sowie Hypothesenbildung. Systemische Fragetechniken, wie zirkuläre Fragen und Skalierungen veranschaulichen Unterschiede, Fragen zu Wirklichkeits- und Möglichkeitskonstruktionen verdeutlichen Denk- und Handlungsmuster. Die Arbeit mit Familienskulpturen und anderen symbolischen oder metaphorischen Techniken dienen der sinnlichen Wahrnehmung sozialer Systeme. Ein Kontext für Veränderung kann auch durch verstörende Interventionen, z.B. Fragen nach der Nützlichkeit des Problems und Umdeutungen gestaltet werden.
Coaching ist eine stark zielfokussierte, zeitlich begrenzte und interaktive Prozessbegleitung.
Diese persönlichkeitsnahe Beratung nutzen die jungen Frauen, um die Selbstorganisation in allen relevanten Lebensbereichen, nicht nur im beruflichen Kontext, zu optimieren.
Sie bringen verstärkt ihre Themen und Fragestellungen in die Zusammenarbeit ein und suchen selbständig nach Lösungsmöglichkeiten. In der Auseinandersetzung mit der Beziehungspädagogin erörtern sie die ausgewählten Möglichkeiten, werden bei der Verwirklichung unterstützt und erhalten konstruktive Rückmeldungen.
Das Coaching zielt auf die Förderung der Selbstreflexion und -wahrnehmung, der Eigenverantwortung und des Selbstwertes.

Die Familientherapeutin ist zuständig für die Moderation von Familiengesprächen und arbeitet in enger Kooperation mit der Beziehungspädagogin. Diese leistet parteiliche sozialpädagogische Arbeit.

Strukturierende Elemente der Organisation des Lernprozesses sind:

 

  • Betreuter Tagesablauf und Alltagslernen durch Präsenzdienste in den Wohngemeinschaften der Lernstufe 1
  • Intensive Einzelbetreuung oder Coaching durch die Beziehungspädagogin
  • Moderation und Beratung von und mit relevanten Bezugspersonen, durch eine Familientherapeutin in Kooperation mit der Beziehungspädagogin
  • Soziale Gruppenangebote, Lernmodule und Workshops für junge Frauen mit spezifischen Lern- oder Beratungsbedarfen
  • Beratung, konkrete Hilfestellung oder notwendige Begleitung bei Terminen außer Haus, wie Arztbesuche, Ämtergänge

Die Teilnahme an sozialer Gruppenarbeit ermöglicht soziales Lernen in einem formal unbewerteten pädagogischen Kontext bei gleichzeitiger Reflexion des Transfers in die Familie oder andere soziale Gruppen.

Vernetzung und Kooperation innerhalb und außerhalb der Institution

Wir arbeiten in enger Kooperation mit anderen Fachkräften und Institutionen, wie z.B. Beratungsstellen, ÄrztInnen, TherapeutInnen, PsychiaterInnen, Lehrkräften, Berufsberatungen sowie Ausbildungsinstituten.

Wesentlich ist auch die Zusammenarbeit mit den Institutionen, die sich aus der besonderen Lebenssituation der Klientin als relevant erweisen, wie z. B. Ausländerbehörden, RechtsanwältInnen. Zu den Fachkräften des Jugendamtes besteht im Rahmen der Hilfeplanung ein regelmäßiger kollegialer Fachaustausch.

Versorgungsleistung und Bereitschaftsdienste Qualifikation der Mitarbeiterinnen

  • Wohnraumbereitstellung in kleinen Wohneinheiten oder Wohngemeinschaften durch den Träger
  • Auszahlung und Hilfe bei der Einteilung von wirtschaftlicher Jugendhilfe
  • Beratung und Unterstützung bei der Beantragung und der Einteilung von Sozialhilfe oder anderer finanzieller Leistungen
  • Rufbereitschaft von 19: 00 bis 8:00 Uhr und an den Wochenenden

Qualifikation der Mitarbeiterinnen

  • Fachhochschulausbildungen als SozialpädagogInnen auch in Verbindung mit Weiterbildungen in systemischer Familienberatung bzw. -therapie
  • Approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Evaluation und Selbstevaluation

  • Hilfeplanung und Prozessevaluation mit dem Jugendamt und der Klientin
  • Interne Reflexion im Rahmen des Prozesspräsentierendem Team
  • Schriftliche Dokumentation über die Umsetzung und Verlauf der Hilfe durch Berichtswesen auf Grundlage der Hilfeplanung und seiner Fortschreibung (Kooperationsvertrag)
  • Externe Supervision oder Einzelcoaching
  • Fortbildung

Dauer und Umfang der Hilfe

– Lernstufe 1 – Alltagsstrukturierung und Stabilisierung
Die Intensive Einzelbetreuung im Betreuten Wohnen (Einstiegsphase) ist in der Regel zwischen sechs und zwölf Monate angelegt und abhängig von der Mitwirkung und Entwicklung der jungen Frau. Es folgt der Übergang in Lernstufe 2.

– Lernstufe 2 – Zunehmendes Selbstmanagement
Der Umzug in eine vereinseigene oder eigene Wohnung soll dann erfolgen, wenn sich das Mädchen oder die junge Frau sicher ist bei der Alltagsgestaltung und sich physisch sowie psychisch belastbar erlebt. Besonders wichtig ist, dass sie regelmäßig einer schulischen oder beruflichen Tätigkeit nachgeht und die morgendlichen Weck- bzw. Präsenzdienste nicht mehr braucht.

Die individuelle Definition der Zielerreichung ist Gegenstand des Hilfeplans. Die Beziehungspädagogin begleitet die junge Frau in der vereinseigenen Wohnung, bis sie den selbst formulierten Anforderungen und Aufgaben ohne intensive Hilfe verantwortlich gerecht werden kann. Die Sozialen Gruppenangebote können weiterhin wahrgenommen werden.

Sind diese Ziele nicht erreichbar, dann ist es die Aufgabe gemeinsam mit dem Jugendamt und der jungen Frau eine andere geeignete Hilfe bzw. eine tragbare Perspektive zu erarbeiten.

- Lernstufe 3 - Einzelcoaching/ Verselbstständigung
Der Umzug in eine eigene Wohnung erfolgt in der Regel mit dem Erreichen der Volljährigkeit sowie der weiteren Festigung und Erweiterung der persönlichen Kompetenzen. Die jungen Frauen werden bei der Integration in das neue Wohnumfeld begleitet und der Ablösungsprozess von der Beziehungspädagogin und der Institution wird eingeleitet.

Neben den individuell vereinbarten Betreuungsinhalten ist die Integration in tragfähige Sozialsysteme sowie die Information und Unterstützung zur zukünftigen finanziellen Absicherung ein wesentlicher Bestandteil dieser Lernstufe.

Abrechnung von Tagesentgelt,Fachleistungsstunde für Coaching und Fachleistungsstunde für Zusatzleistungen

Die pädagogische Fachkraft hat maximal 70 % des vereinbarten Stundenkontingents für die Kontaktzeiten mit der Klientin und relevanten Bezugspersonen zur Verfügung.

30 % des Stundenkontingents stehen für fallbezogene und fallübergreifende Aufgaben zur Verfügung, wie z.B.

  • Teamarbeit und interne Arbeitsgruppen
  • Supervision
  • Helferkonferenzen
  • Verwaltungsarbeiten
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Externe Arbeitskreise
  • Fortbildung

– Lernstufe 1 –
Die Abrechnung erfolgt über das genehmigte Tagesentgelt für Betreutes Wohnen für Mädchen und junge Frauen.
In der Lernstufe 1 legen wir die Betreuungsintensität von 19,5 Betreuungswochenstunden zugrunde.
Das Tagesentgelt für 19,5 Betreuungswochenstunden enthält als Regelleistung drei Beratungsstunden pro Monat für Elternarbeit durch eine Familientherapeutin.
Bei erhöhtem Bedarf von Elterngesprächen muss ein entsprechender Antrag beim Jugendamt gestellt werden und wird dann als Zusatzleistung abgerechnet.

- Lernstufe 2 -
Die Abrechnung erfolgt über das genehmigte Tagesentgelt für Betreutes Wohnen für Mädchen und junge Frauen.
In der Lernstufe 2 haben wir zwei Betreuungsintensitäten:
13 oder 9,75 Betreuungswochenstunden. Bei geringerem Betreuungsbedarf rechnen wir mit der Fachleistungsstunde ab.
Das Tagesentgelt für 13 Betreuungswochenstunden enthält als Regelleistung zwei Beratungsstunden pro Monat für Elternarbeit durch eine Familientherapeutin, bei 9,75 Betreuungswochenstunden sind 1,5 Stunden pro Monat enthalten.
Bei erhöhtem Bedarf von Elterngesprächen muss ein entsprechender Antrag beim Jugendamt gestellt werden und wird dann als Zusatzleistung abgerechnet.

Ebenso können in der Lernstufe 2 junge Frauen aufgenommen werden, die über eigenen Wohnraum verfügen. Hier legen wir die Fachleistungsstunde ohne Wohnraum zugrunde. Die Coachingstunden werden je nach Bedarf im Hilfeplan flexibel festgelegt. Bei Bedarf von Elterngesprächen muss ein entsprechender Antrag beim Jugendamt gestellt werden und wird dann als Zusatzleistung abgerechnet.

– Lernstufe 3 –
In der Lernstufe 3 wird die genehmigte Fachleistungsstunde ohne Wohnraum zugrunde gelegt. Elterngespräche werden im Hilfeplan festgelegt und als Zusatzleistungen in Rechnung gestellt.

Pflegenebenkosten werden entsprechend den Empfehlungen zur Gewährung von Nebenleistungen gesondert abgerechnet.

Zusatzleistungen

Fachleistungsstunde als Zusatzleistung für Elternberatung mit einer Familientherapeutin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, dieses Leistungsangebot ist auch mit einem männlichen Ko-Therapeuten möglich.

Besonderes Leistungsangebot

Beratungsstunden mit einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin werden im Hilfeplan festgelegt und als Zusatzleistung abgerechnet.